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Pressespiegel - The Museum in the media

 

Nahe-Zeitung, Idar-Oberstein, 26.08.2003

Kammermusikkonzert im vollbesetzten Hof des Edelsteinmuseums war ein besonderes Erlebnis

Zum "Dessert" gab' s echte Delikatessen

IDAR-OBERSTEIN. Oberbürgermeister Hans Jürgen Machwirth sah sein Motto auch dieses Mal wieder bestätigt: Idar-Oberstein leuchtet " wunderschön" mit einem weiteren Höhepunkt im diesjährigen Kulturfestival, dem ersten Museumskonzert im Hof des Deutschen Edelsteinmuseums in Idar, der voll besetzt war.

Erstmalig zu Gast war das Solo-Bläserquintett des Bayerischen Rundfunks mit Gabor Tarkövi und Thomas Kiechle (Trompeten), Rainer Schmitz (Horn), Thomas Horch (posaune) und Alexander von Puttkamer (Tuba), dessen in unserer Region wohnende Mutter die Verbindung geknüpft hatte, wofür ihr mit Beifall gedankt wurde. Denn dieses Kammermusikkonzert gehörte dank der Spitzenmusiker aus München zu denjenigen, die neue Welten erschließen.

Auf höchstem Niveau

Ob nun in alter Bläsermanier der frühbarocke Samuel Scheidt mit seiner "Canzon Bergamasca“ oder in subtil stilisiertem Jazz wie in den raffiniert gesetzten drei Spirituals von Enrique Crespo, ob in Arrangements des norwegischen Romantikers Edvard Grieg oder zeitgenössischen Originalwerken wie der Mini-Ouvertüre von Withold Lutoslawski: Das Brass-Quintett musizierte auf höchstem Niveau, immer dem jeweiligen Kompositionsstil adäquat.

Kunterbunt und keinesfalls chronologisch in üblicher akademischer Weise war das im Druck bereits vorgelegte Programm angeordnet. Da hatte es Thomas Horch als Moderator leicht, seine ironisch -süffisanten Bemerkungen im Allgemeinen und im Besonderen anzubringen, womit sofort ein lockerer Kontakt zum Publikum hergestellt war. Da passte auch der plötzlich aufkommende Wind, der manches Notenblatt hinwegfegte, ins Konzept, denn die Unterbrechung bis zur Befestigung mit bunten Wäscheklammern gab neuen Anlass, über Musik und ihre Hörer zu reflektieren.

Warnungen vor unbequemen Musikstücken, wie dem fünfsätzigen Werk von Axel Jörgensen oder John Cheethams "Menagerie" bereiteten die Hörer auf ungewohnte Kost vor und schufen gleichzeitig Aufmerksamkeit für Musik, die sonst von Bläsern vor allem vor Kennern oder bei Wettbewerben zu hören sind. Wer auf Grund des Programms vermutet hatte, dass am Schluss populistische oder gar populäre Blasmusik angesagt war, fand sich mit einem Spätwerk ("letzte Komposition") des 1990 verstorbenen berühmten amerikanischen Komponisten Leonhard Bernsteins konfrontiert: Die "Dance Suite" ist (ähnlich der von Strawinsky) eine raffiniert, durch Witz und sparsamster Tongebung charakterisierte Tanzmusik, weit entfernt von "Tango", "Waltz", diese beinahe karikierend.

Bach durfte nicht fehlen

Natürlich durfte auch Johann Sebastian Bach nicht fehlen - wie der Posaunist Horch ausdrücklich vermerkte. Aber gerade dieser "Contrapunctus" aus der "Kunst der Fuge" bewies gleichermaßen den hohen Rang und, die Meisterschaft sowohl jedes Einzelnen als auch des Ensembles. Es beendete das exzellente Konzert mit den rassigen "Estampas de Palermo" von Jose Carli, setzte aber als Zugaben noch "Liebeslust" und "Halbacht" drauf. Und bewies damit, wie edel sogenannte "Dicke-Backen-Musik" klingen kann - echte Delikatessen als "Dessert". Da kann man nur bilanzieren: Jede Musik ist, so meisterhaft dargeboten, gut und leicht verdaulich.

Elisabeth Jost
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