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Pressespiegel - The Museum in the media

 

Nahe-Zeitung, Idar-Oberstein, 16.08.2003

Wasserkraft und Edelstein: Auf Umwegen zurück nach Idar

Zwei besonders schöne Stücke der Jubiläumsausstellung stammen aus der Sammlung Merlo aus Köln. Der Landgerichtsrat und Kunstliebhaber Carl Merlo hatte um 1880 in der Idarer Gewerbehalle mehrere wunderschöne Teile erstanden. Nach seinem Tod wurde die Sammlung 1921 vom bekannten Auktionshaus Lempertz versteigert. Auf diesem Weg gelangten eine wunderschöne Achat-Schale und diese kunstvoll geschliffene Kanne mit Schlangenhenkel aus Bronze (vergoldet) zurück in die Gewerbehalle. Die genaue Herkunft der beiden Stücke war jedoch unklar. Wenige Tage nach der Eröffnung der Ausstellung "Wasserkraft und Edelstein" meldete sich eine ältere Dame bei Dieter Jerusalem und verkündete: "Das ist von meinem Uropa." Wilhelm Dreher aus Vollmersbach galt ausgangs des 19. Jahrhunderts als einer der besten Achatschleifer weit und breit. Der 1840 geborene "Wirts Willem" lieferte seine Pokale und Schalen an den russischen Zarenhof, nach Paris und London.

Schmuck für den Schottenrock

Geld für Afrika, "Tikis" (eine Art Totenkopf-Amulett) für Neuseeland - und sogar Verschlüsse für den Kilt, den schottischen Männer-Rock - das alles ist zu sehen in der Sonderschau. Keltischer Volksschmuck erlebte in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Renaissance in England. Und davon profitierten auch die Schleifer am Idarbach: Damals wurden große Mengen von importierten schottischen Achaten zusammen mit den pastellfarbenen Idar-Obersteiner Steinen zu Mosaiken verarbeitet, die auf Bundenbacher Schiefer geklebt wurden. In Birmingham wurden die Rohlinge zu Broschen oder Schließen verarbeitet, die dann von den Schotten zu festlichen Anlässen auf dem Kilt getragen wurden. Ein anderer Modetrend war 30 Jahre später Käfer- und Insektenschmuck für Kleider, Hüte und Schleier für die Damen von Welt. Die Idar-Obersteiner Industrie stellte bis etwa 1900 große Stückzahlen des bunten Getiers her.

Begriffe, die sich festgesetzt haben

Massick: Der Begriff stammt aus dem Jüdischen und bedeutet "Dickkopf". Die Schleifer, die oft Umgang mit jüdischen Händlern hatten, bezeichneten besonders harte, schwer zu bearbeitende und vor allem schwer zu färbende Achate als "Massick". Der Begriff hielt Eingang in die Umgangssprache: Noch heute ist in Idar ein "Massick" ein umgezogener, schwer erziehbarer Lausbub.

Klickerschleffer: Auf einer Skala, die die Kunstfertigkeit der Schleifer beschreiben würde, rangierten die Schalenschleifer mit ihren grazilen Unikaten ganz oben, während die "Klickerschleffer" am anderen Ende anzusiedeln wären. "Klicker", das waren die steinernen Gegenstücke zu Glas- oder Tonmurmeln, die im vergangenen Jahrhundert 100 000-erweise vor allem in den Dörfern zwischen Niederwörresbach und Bundenbach geschliffen wurden. Das war reine Knochenarbeit, bei der es nur auf Stückzahlen, nicht auf Können ankam. Die "Klicker" wurden vor allem nach Thüringen geliefert, wo sie zusammen mit Holzspielzeug aus dem Erzgebirge in die USA ging, wo es eine Riesennachfrage gab, die in erster Linie vom Handelsriesen "HH Thammen Company" gestillt wurde. Noch heute ist der Begriff "Klickerschleffer" ein Schimpfwort in der Branche.

Petschaft: Siegelstempel waren über viele Jahrzehnte eine sichere Einnahmequelle für Schleifer und Händler aus der Region. Vom späten Mittelalter bis zur Neuzeit ging an keinem Zoll, bei keinem Verkauf etwas ohne diese "Petschaften". Sie waren aus Achat gefertigt, spiegelverkehrt graviert, damit man ein Wappen oder ein sonstiges Erkennungsmerkmal in eine Wachsmasse oder in Siegellack eindrücken konnte.

Charivari: heißt aus dem Lateinischen übersetzt "Katzenmusik". Weshalb in der Schmuckbranche Uhrketten und Westenanhänger so genannt wurden, ist heute unklar. Die Ketten wurden im vergangenen Jahrhundert gerne mit allerlei Symbolen (Anker, Tierchen, Pfeifchen) dekoriert - und schon hatte Idar-Oberstein wieder einen rentierlichen Modetrend.
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