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Pressespiegel - The Museum in the media
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Rhein-Zeitung, Koblenz, 16.08.2003
Sonderausstellung "Wasserkraft und Edelstein" im Deutschen Edelsteinmuseum
Das Segelschiff ist nicht graviert
Sonderausstellung "Wasserkraft und Edelstein" im Deutschen Edelsteinmuseum: Größte Kostbarkeiten sind am allerkleinsten
Schon vor einem Jahr begann für Dieter Jerusalem und Manfred Wild die Arbeit an der Jubiläums-Ausstellung 30 Jahre Deutsche Edelsteinmuseum, bereits an Weihnachten "standen" die meisten Texte für den Katalog. Noch während der heißen Phase kurz vor Eröffnung, ja am Eröffnungsabend wurde den "Wasserkraft und Edelstein"-Machern hochinteressante Exponate zugesteckt.
IDAR-OBERSTEIN. Dieter Jerusalem und Manfred Wild sind ausgewiesene Kenner der Idar-Obersteiner Industriegeschichte, Jerusalem verfügt zudem über das vielleicht umfangreichste Archiv von Dokumenten aus der Pionierzeit der Branche - Rechnungen und Annoncen ebenso wie Briefköpfe und Briefe. Seine Sammlung von Versteigerungs-Anzeigen sind einen Besuch im Gewölbekeller wert: "1000 Centner Jaspis", "1250 Centner Korallen", "2000 Centner gestreifter Steine" - das war während des Booms Ende des 18. Jahrhunderts keine Seltenheit. Riesige Mengen wurden mehrmals die Woche in Idar versteigert - bis etwa 1970, als der letzte Auktionator aufhörte.
Dieser Raum, in dem die Annoncen-Sammlung hängt, ist so etwas wie der Schlüssel zur Ausstellung. So sind dort die detaillierten Vermessungspläne des "betriebsreichsten Gewässers in ganz Deutschland", das der Idarbach mit seinen mehr als 50 Schleifen und Mühlen einst war, zu sehen. Zum anderen zeigen acht Schütten, montiert auf einem Original-Schleifstein, die erfolgreichsten Massensteine, die in Idar-Oberstein entstanden: Afrikanisches Geld, Tikis für Neuseeland, Klicker, Krellen, Creolen, einfachst facettierte Steine.
Ebenfalls in diesem Raum erinnern alte Zeitungsartikel an den Niedergang der Branche während der Weltwirtschaftskrise der 20er-Jahre, von der sie sich nie mehr erholen sollte: "Warum in Idar alle Schleifen still stehen".
Jeder Krieg war ein Segen
Immer schon war die Industrie abhängig - nicht nur von Moden, sondern auch von technischen Entwicklungen. Angelrutenringe waren über Jahrzehnte ein sicheres Geschäft - bis 1930 der Edelstahl erfunden wurde. Vorher hatten Achatringe, abriebfest und nichtrostend, die saubere Führung der Angelschnur übernommen. Und auch die Zahnärzte griffen vor "V2A" auf Produkte aus Idar-Oberstein zurück - und gingen wegen der Bruchgefahr "deutlich vorsichtiger ans Werk", lacht Manfred Wild.
Die viereckige Zündplättchen aus Feuerstein für Steinschloss-Gewehre oder -Pistolen sorgten seit dem Mittelalter für Umsatz am Idarbach. "Jeder Krieg bedeutete für unsere Vorfahren ein gutes Geschäft." Noch heute werden jährlich etwa 30- bis 40 000 derartiger Achate an "Schwarzpulververeine" in der ganzen Welt verkauft.
Einen wichtigen Teil der Ausstellung stellen die großen Schalen dar, eine handwerkliche Tradition, die noch heute gepflegt wird. Dass diese wundervollen Stücke von Otto Eli (Hettstein), Albert Leyser (Fischbach) frei Hand an den riesigen Sandsteinrädern geschliffen sein sollen, mag man kaum glauben. "Eine der schönsten Moosachatschalen, die es jemals gab", schwärmt Manfred Wild, lieferte die Kirschweiler Firma Gebrüder Fuhr 1937 an die Gewerbehalle. Die schenkte die Schale noch im gleichen Jahr Adolf Hitler zum Geburtstag. "Die Schale ist nie mehr aufgetaucht, es gibt noch nicht mal mehr ein Foto."
Die für Kenner größten Kostbarkeiten der Sonderschau sind mit die kleinsten Exponate:
Ein sonderbares "Doppelauge": ein vollkommen symetrischer Achat mit zwei kreisrunden Einschlüssen, die aus härterem Material besteht, weshalb die schwarze Färbung dort nicht ankam.
Ein auf den ersten Blick unscheinbar wirkender Onyx-Anhängeschmuck mit zwei durch ein Loch im Anhänger geführten Onyx-Ringen. Geführt? Seit wann kann man Edelsteinringe öffnen und wieder schließen? Weit gefehlt: Die zierliche Kostbarkeit ist - fast unglaublich - aus einem Stück geschliffen!
Und dann gibt es ein unscheinbares, nur wenige Zentimeter großes Kännchen, noch dazu unvollendet, geziert von einem schwarzen Segelschiff in der weißschimmernden Dünung. Kitschige Gravur? Nein, hier hat nie ein Steinschneider Hand angelegt. Es handelt sich um einen Dendriteinschluss, den Mutter Natur genau so in den Stein gezaubert hat. Ein wahres Wunder, wie so vieles in der Sonderschau: unfassbar
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