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Pressespiegel - The Museum in the media

 

Nahe-Zeitung, 12.09.2002

In Idar-Oberstein wurde die Ausstellung "Edelstein-Gravierungen im Wandel der Zeit" mit besonderen Exponaten im Edelsteinmuseum eröffnet

Dauerhafte Schönheit

Meisterwerke der Gravierkunst sind zu sehen

Im Deutschen Edelsteinmuseum in Idar-Oberstein wurde die Sonderausstellung "Edelstein-Gravierungen im Wandel der Zeit" eröffnet. Neben einigen Exponaten, die bis in die Frühgeschichte der Jahrtausende alten Gravierkunst zurückreichen, sind vor allem die Meisterwerke heimischer Graveure der letzten 150 Jahre, deren bedeutendste Vertreter fast lückenlos dokumentiert sind, spektakulär.

IDAR-OBERSTEIN. Vita somnium breve - das Leben ist nur ein kurzer Traum. So lautet der Titel einer Großkamee des französischen Steingraveurs George le Maire, auf die der Besucher als erstes zuläuft. Sie zeigt die Stationen des Lebens und die Mächte des Schicksals, die Flüchtigkeit des Lebens bis in die zartesten Strukturen verwehender Wolken hinein in meisterhafter Weise symbolisch verdichtet. Das Flüchtige und das Vergängliche - wie etwa die Schönheit - festgehalten auf zumindest für menschliche Verhältnisse unvergängliche Weise in Stein. Das macht neben dem ästhetischen auch einen philosophischen Reiz der Gravierkunst aus, die viel stärker als die Malerei und selbst die Bildhauerei darauf ausgelegt ist, die Jahrhunderte zu überdauern.

Da liegt es nahe, dass sich diese Kunst auch in der Wahl der Motive sehr stark an den "ewigen Werten" orientiert. Szenen aus der griechischen Mythologie und aus der Bibel scheinen neben dem klassischen Porträt der bevorzugte Gegenstand der Miniaturen zu sein, bei deren Herstellung diese Region in den letzten eineinhalb Jahrhunderten eine Fülle von Meistern hervorgebracht hat, wie man sie sonst nirgendwo auf der Welt findet.

"Diese Ausstellung war längst überfällig", meinte daher auch Dieter Hahn, Aufsichtsratsvorsitzender des Edelsteinmuseums, bei der Eröffnung. Und auch Oberbürgermeister Hans Jürgen Machwirth würdigte die Gravierkunst als "Paradepferd für das künstlerische und handwerkliche Potenzial unserer Region".

Wandel im 20. Jahrhundert

In seinem Einführungsvortrag ging Erwin Pauly auf die wechselvolle Geschichte der Gravierkunst ein. Die frühesten Gravuren waren Stempel und Siegel, die dazu dienten, Besitztümer kenntlich zu machen - lange bevor die Schrift erfunden war. Doch schon bald dienten Gravuren auch dem Zweck des künstlerischen Ausdrucks, der im Laufe der Geschichte immer wieder Blütezeiten, aber auch Phasen der relativen Bedeutungslosigkeit hatte. Blütezeiten gab es etwa im alten Babylon oder Ägypten, im minoischen Zeitalter, in der griechischen und römischen Antike, während im Mittelalter die Gravierkunst bis auf kurze Phasen kaum eine Rolle spielte. Pauly ging auch auf den Stilwandel ein, den die Gravierkunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert erlebte, und den auch er gemeinsam mit Künstlern wie Jürgen Thom entscheidend mitgeprägt habe. Nicht nur Männer

Die Ausstellung präsentiert eine große Fülle von Werken von Meistern der Gravierkunst, vor allem aus den letzten 200 Jahren, wie die Familie Pichler, George le Maire, Karl Wild XIII., Paul Krieger, Wilhelm Leyser, Richard Hermann Hahn oder Dieter Roth bis hin zu einer ganz neuen Generation von Graveuren wie Gerhard und Hans Ulrich Pauly, Heinz Postler oder Carlo Wild. Und es wird auch deutlich, dass inzwischen etliche Frauen, wie etwa Iris Hartenberger, Heike Bußmer oder Simone Postler in die einstige Männerdomäne eingebrochen sind. Aber nicht nur Gravuren sind auf dieser überaus interessanten Ausstellung zu sehen, sondern auch Werkzeuge, Rohsteine und Dokumente, die das Bild abrunden.

Jörg Staiber
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